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Das DFB-Pokalfinale vom 23. Juni 1973

Hennes Weisweiler

Kalle Del'Haye

 


 

Ein Mythen bildendes Drama

Das DFB-Pokalfinale vom 23. Juni 1973

Am Sonntag, 23. Juni1973 Jahren errang Borussia zum zweiten Mal den DFB-Pokal – der 2:1-Sieg im Endspiel gegen den 1. FC Köln ging in die Geschichte ein. Wir blicken – aufgezogen an der Hauptfigur Günter Netzer - in zwei Teilen auf das Spiel zurück.

Borussia-Fans, die am Samstagmorgen erwartungsfroh die Zeitungen aufschlagen, um zu erfahren, was nun mit Günter Netzer ist, werden enttäuscht. „Eine Stunde vor Spielbeginn, nicht früher werde ich das bekannt geben“, hat Hennes Weisweiler auf die Fragen geantwortet, ob Netzer spielt. Seine Entscheidung ist in Wirklichkeit schon gefallen. Im Parkhotel in Süchteln, wo die Borussen ab Donnerstag zur Vorbereitung auf das Finale Quartier bezogen haben, sitzt Günter Netzer am Spieltag beim Frühstück neben ihm. So wie immer. Nach dem Frühstück ruft der Trainer Berti Vogts zu sich auf sein Zimmer und teilt ihm mit, dass er im Finale der Kapitän sei, weil Netzer nicht spielen werde. Vogts, treuer Freund von Günter Netzer, ist entsetzt, versucht Weisweiler umzustimmen, aber vergeblich. Schließlich lehnt er es sogar ab, die Kapitänsbinde zu tragen. „Gut, dann ist eben Wimmer Kapitän“, sagt Weisweiler.

Beim anschließenden Morgenspaziergang durch die Süchtelner Höhen, auch das ein Ritual der Borussen, teilt Hennes Weisweiler seine Entscheidung Günter Netzer mit. „Ich werde dich im Finale nicht aufstellen.“ Netzer entgegnet, dass er diese Entscheidung sehr mutig finde und dass sie wohl kaum dem Wunsch der Fans entspreche, doch der Trainer reagiert nicht. Weisweiler setzt seinen Spaziergang fort und lässt Netzer stehen. Zurück im Hotel packt Netzer seine Sachen, verabschiedet sich von dem Mannschaftskameraden und wünscht ihnen viel Glück. Die Aufregung ist groß, noch hat sich nicht herumgesprochen, dass der Kapitän nicht spielen soll und jemand sagt, dass er sich so nicht einfach davonstehlen könne. Es sind Berti Vogts und Jupp Heynckes, die Netzer überreden, noch einmal ins Zimmer zurückzukehren und dort auf ihn einreden. „Setz dich einfach zwischen die Ersatzspieler. Sei einfach da“, sagt Jupp Heynckes – so schreibt es Netzer in seiner Biographie. „Wenn der Trainer dich schon nicht braucht, wir brauchen dich.“ Günter Netzer fährt also mit nach Düsseldorf, zwar nicht im Mannschaftsbus, sondern im eigenen Auto, aber immerhin – er fährt mit.

Im Rheinstadion bekommen die Gladbach-Fans erst beim Aufwärmen der Mannschaft mit, dass Günter Netzer nicht spielen wird. Die Aufregung ist groß, Fotografen, Kamerateams, alle drängeln sich um Netzer und verfolgen jeden seiner Schritte. Selbst als das Spiel läuft, lassen sie nicht von ihm ab. Interessanter als das Geschehen auf dem Platz scheint jede Regung des Superstars, der auf der Ersatzbank neben Abwehrspieler Hartwig Bleidick Platz genommen hat.

Das beste Endspiel aller Zeiten

Das DFB-Pokalfinale vom 23. Juni 1973 hält alles, was man sich vorher von ihm versprochen hat. Es gibt wohl kein anderes Spiel in der Geschichte des deutschen Fußballs, das öfter im Fernsehen gezeigt worden ist als dieses. Bis heute gilt es als das beste Pokalendspiel aller Zeiten. Als das ultimative Spektakel. Zwei hemmungslos stürmende Mannschaften, Torchancen in Hülle und Fülle, überragende Torhüter, eine Gluthitze – und dann dieses epische, Mythen bildende Drama um Günter Netzer. Netzer sieht, wie „Hacki“ Wimmer das 1:0 erzielt, er sieht, wie seine Teamkollegen weitere gute Möglichkeiten auslassen und wie Kölns Herbert Neumann kurz vor der Pause zum Ausgleich trifft. Er sieht ein großartiges Fußballspiel. Und er sieht es nicht ein, warum er sich in diese glanzvolle Partie einmischen soll. Als Weisweiler ihn in der Halbzeit auffordert: „Netzer, Sie spielen jetzt“, schüttelt er den Kopf: „Ich? Nein, wirklich nicht. Ich kann in diesem Spiel nicht helfen. Besser geht es auch mit mir nicht.“ Weisweilers Plan sei absurd gewesen, schreibt Netzer später in seinem Buch: „Weisweilers Ansinnen war unfair den anderen gegenüber, mir gegenüber und dem Publikum gegenüber einfach nur populistisch. Er handelte gegen sein Naturell und gegen seinen Fußballverstand. Er muss sehr enttäuscht von mir gewesen sein.“

Als Borussias Spieler aus der Kabine kommen und Günter Netzer noch immer seine blaue Trainingsjacke anhat, schwillt das Raunen und das Pfeifkonzert der Zuschauer gleich wieder an. Noch immer ohne Netzer! Das Spiel indes hält sein hohes Niveau und erlebt zwei überragende Torhüter, Wolfgang Kleff bei den Borussen und Gerhard Welz bei den Kölnern, die in sagenhafter Manier dafür sorgen, dass es auch nach 90 Minuten noch 1:1 steht. Verlängerung. Günter Netzer erhebt sich von der Bank, geht zwischen den auf dem Rasen sitzenden Spielern herum, reicht ihnen Trinkflaschen. Als er bei Christian Kulik ankommt, sagt dieser: „Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr laufen.“ Netzer geht zurück zur Bank, zieht seine Jacke aus, geht an Weisweiler vorbei und sagt dem Trainer: „Ich spiele dann jetzt.“ Und als er sich in Bewegung setzt, um sich warmzulaufen, hebt auf den Tribünen ein Orkan der Begeisterung an. „Netzer, Netzer, Netzer“, schallt es durchs Rheinstadion. Die Zuschauer spüren, dass nun etwas Besonderes passieren kann.

Drei Minuten ist Netzer auf dem Platz, da kommt er im Mittelfeld an den Ball, spielt zu Rainer Bonhof, der passt zurück zwischen zwei Kölnern hindurch in Netzers Lauf und der zieht direkt ab, mit dem linken Fuß, trifft den Ball nicht richtig, aber doch so richtig, dass das Leder in den Winkel des Kölner Tores rauscht. 2:1 für Borussia Mönchengladbach!

Die Bilder von diesem Tor sind längst Legende. Netzer, wie er zu Bonhof spielt. Wie er weiterläuft in den Strafraum. Wie der Ball von Bonhof zurückkommt. Wie Netzer schießt. Wie der Ball im Winkel einschlägt. Wie Netzer zum Jubeln in die Luft springt. Es sind die Bilder dieses Spiels. Und die Bilder von Netzer auf der Ersatzbank, neben Bleidick.

Feier ohne Weisweiler

Den zweiten DFB-Pokalsieg der Vereinsgeschichte feiern die Borussen am Abend ausgiebig. Erst hochoffiziell in der Kaiser-Friedrich-Halle, vor der Tausende von Fans darauf warten, dass sich ihre Lieblinge zeigen. Später dann zieht es die Spieler in die Gladbacher Altstadt, in Netzers Discothek „Lover’s Lane“. Weisweiler ist nicht da, die Worte, die er und Netzer kurz vor der Selbst-Einwechslung ausgetauscht haben, sind für lange Zeit die letzten zwischen dem Trainer und seinem großen Star, erst zwei Jahre später, als Weisweiler schon beim FC Barcelona ist, werden sie wieder Kontakt haben. „Wir sprachen am Abend des Pokalfinales kein Wort miteinander. Ich glaube, Weisweiler hat an diesem Abend überhaupt kein Wort verloren“, schreibt Günter Netzer in seinen Memoiren. „Wir standen im Lover’s Lane. Wir tranken. Weisweiler war nicht da. Es flossen Tränen. Drei Tage später flog ich nach Madrid.“

Quelle Borussia.de

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Wie ein blonder Hamster den FC Bayern narrte

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Kalle Del'Haye gilt als der größte Transfer-Flop des FC Bayern. Er kostete viel, spielte selten, kassierte groß ab – und ist heute trotzdem zufrieden mit seiner Zeit beim Rekordmeister.

Er kam als Europameister, als angeblich bester Rechtsaußen des deutschen Fußballs und als erster Millionen-Transfer in der Geschichte des FC Bayern München.

Der kleine blonde Kalle Del'Haye, der nur 165 Zentimeter maß und 56 Kilogramm auf die Waage brachte, war im Sommer 1980 eine große Nummer. Auf den ersten Blick. Bei näherem Hinschauen sahen die Dinge etwas anders aus. In sechs Bundesliga-Jahrenbei Borussia Mönchengladbach hatte er es auf nur 87 Einsätze gebracht, davon28 als "Joker".Erst im letzten Jahr unter dem neuenTrainer Jupp Heynckes war der schnelle Rechtsaußen Stammspieler geworden – und zwei Monate vor der EM in Italien Nationalspieler.

Dem Debüt gegen Österreich folgte ein Einsatz bei der Endrunde im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Griechenland. Das Finale gegen Belgien verfolgte er joggend auf der Tartanbahn, weshalb er sich selbstironisch als "Europameister im Warmlaufen"bezeichnete.

Das größte an Kalle Del'Haye war die Ablösesumme: 1.265.000 D-Mark flossen von der Isar an den Niederrhein. Bundesliga-Rekord. Doch wozu eigentlich? Der Transfer von Del'Haye von Mönchengladbach nach München gilt als Mutter aller strategischen Transfers der Bayern, getätigt um einen Konkurrenten zu schwächen. Und als der Flop in der Bayern-Historie schlechthin. Denn schon bald stellte sich die Frage: Was wollen sie eigentlich mit ihm?Uli Hoeneß hatte ihm zwar verhießen: "Wenn du bei uns nicht Stammspieler wirst", so der Bayern-Manager, "dann erschieße ich mich." Uli Hoeneß lebt zum Glück noch immer, Kalles Stammplatz aber wurde die Bank.Denn der Mann, an dem er schon in der Nationalmannschaft nicht vorbei kam, spielte 1980 auch bei den Bayern: Weltstar Karl-Heinz Rummenigge, ein Dribbler mit allen Freiheiten im Angriff. Den besetzte Meister-Trainer Pal Csernai gewöhnlich nur mit zwei Spitzen, und es gab noch einen Dieter Hoeneß, den Bruder des Managers, und Norbert Janzon. Drei waren schon 1979/80 einer zu viel gewesen, vier erst recht

Csernai plante deshalb mit Del'Haye als Mittelfeldspieler, doch der konnte und wollte nur Rechtsaußen sein. "Denn das hat mir der Uli Hoeneß in allen Verhandlungen, bei denen meine Frau Ulla Gott sei Dank auch zugegen war, erzählt. In den ersten Trainingswochen hörte ich dann von Csernai, dass er mich auch als deckungstreuen Mittelfeldspieler brauchen könne.", sagte Del' Haye.So nahm das millionenschwere Missverständnis seinen Lauf. Schon Ende Juli 1980 erschien der"Kicker" mit der Schlagzeile "Del'Haye muss um Stammplatz bangen", drei Monate später war vom "zynischsten Transfer des Jahres" die Rede.Denn einen Stammplatz bekam Del'Haye in seinen fünf Münchner Jahren nur einmal – 1982/83 in der letzten Saison unter Csernai stand er 31 Mal in der Startformation.

Bittere Ironie: Es war die einzige Saison, in denen die Bayern nichts gewannen. 1981wurden sie Meister, aber Del'Haye saß nach 13 Einsätzen eher unbeteiligt im Trainingsanzug auf dem Siegerfoto. Mitspieler Jürgen Röber, ebenfalls Bankdrücker in jener Saison, erinnert sich: "Damals warst du bei Bayern auf der Bank das fünfte Rad am Wagen. Csernai hat mit den Ersatzspielern nur wenig gesprochen, und Del'Haye war bei ihm noch unbeliebter als ich."Aber er hatte auch fachliche Gründe, attestierte Del'Haye konditionelle Mängel und "er kann nicht decken". Der Angeklagte gab selbst zu:"Ich bin nicht gut im Abschluss, und meine Flanken kommen zu selten präzise." 1981 wurde auch der Privatmensch Del'Haye in München unglücklich und zog sich plötzlich zurück.Kollege Röber erinnert sich: "Man hatte relativ wenig Kontakt zu ihm." Der Grund war traurig. Seine kleine Tochter, mit einem Herzfehler geboren, starb. Del'Haye sagte später: "Wer ein halbes Jahr auf der Intensivstation ein- und ausgeht, stellt fest, dass es außer Fußball noch andere Dinge im Leben gibt."Weil er davon niemandem erzählte, hatte auch niemand Mitleid mit ihm.

Am ersten Trainingstag der Saison 1981/82 wurde Del'Haye ins Büro von Uli Hoeneß gebeten. Im Beisein von Präsident Willi O. Hoffmann wurde er aufgefordert, gefälligst nicht jedes Angebot anderer Klubs abzulehnen – "denn im Konzept des Trainers spielst du keine Rolle mehr."Hintergrund: Del'Haye war Großverdiener mit 300.000 DM im Jahr und sollte von der Gehaltsliste. Er aber blieb stur und gestand einem Reporter im Rahmen einer Home-Story im August 1981: "Ich bin froh, damals so hart verhandelt zu haben." Prompt flog er aus dem Kader für das nächste Spiel und Del'Haye machte daraufhin öffentlich, dass er abgegeben werden sollte.Keck unterstellte er Uli Hoeneß "Erpressung". "Wenn die meinen, dass sie mich zu meinem Nachteil abschieben können, haben sie sich getäuscht." Er blieb – und war doch nicht mehr da. Die Bayern wurden Pokalsieger – ohne ihn – und erreichten 1982 auch das Landesmeister-Finale – auch ohne ihn. Sieben lange Monate wurde er gar nicht eingesetzt, sein Stammplatz war ein Platz auf der Haupttribünen: Reihe 2, Sitz 17. Csernai weigerte sich, Reportern gegenüber seinen Namen zu nennen, schickte ihn zu den Amateuren und drohte Del'Haye: "Dich mach' ich endgültig fertig."Er ließ sich nicht fertigmachen, aber er verlor alle Illusionen: "Beim FC Bayern ist der Mensch ein Nichts, solange er sportlich nicht unantastbar ist."

Also wollte er unantastbar werden.In der Vorbereitung zur Saison 1982/83 änderte Del'Haye seine Einstellung, wie Csernai lobend hervorhob. Und Del'Haye gab zu: "Ich habe mich angepasst. Ich wollte ganz außen spielen wie in Gladbach, das ist beim FC Bayern nicht möglich. Ich habe gelernt, worum es in diesem System geht."Dieter Hoeneß lobte: "Der Kalle spielt jetzt mit Köpfchen – wie wir alle." Sein drittes Jahr weckte Hoffnungen, dass die Millionen doch nicht in den Sand gesetzt waren. Im Mannschaftskreis wurde er endlich beliebter; Michael Rummenigge und Wolfgang Dremmler zerschnitten die Laschen seiner Holz-Badelatschen, über die sich alle so lustig machten. Del'Haye zog einfach ein neues Paar aus seiner Sporttasche und alle lachten. Sogar der Vertrag wurde verlängert – um zwei Jahre!Aber dann kam Udo Lattek nach München zurück: unter ihm hatte Del'Haye schon in Gladbach gespielt – oder auch nicht. Und wenn er ihm auch sagte:"Du bist wie ein Sohn für mich", ging es wieder bergab.

1984 wurden die Bayern Pokalsieger – wieder ohne Kalle. Nach der Vorrunde war er quasi ein Ex-Spieler. Aus sportlichen Gründen. Einmal muckte er auf ("Herr Lattek, Sie behandeln mich schlecht"), doch dadurch fiel er nur noch tiefer.Seine fünfte und letzte Saison war der absolute Tiefpunkt. Bayern wurde Meister – komplett ohne ihn. Null Bundesliga-Minuten. Nur im Europacup ließ Lattek ihn in der ersten Runde ran und letztmals profitierte Del'Haye von seinem Verhandlungsgeschick. Der Vertrag sah vor, dass er schon ab dem ersten Einsatz ein Drittel seiner Jahres-Leistungsprämie (120.000 DM) bekäme. So kassierte er für 90 Minuten gegen den FK Moss aus Norwegen 40.000 DM.Ein letzter Triumph des kleinen Kalle, der bei den Fans beliebter war als bei seinen Trainern.

Frau Ulla hat das einem Reporter 1981 anschaulich erklärt: "Menschen lieben etwas Kleines, Weiches, Rundes, wollen etwas beschützen. Sehen Sie sich den Erfolg von Hamstern an!"Aber kein Hamster liebt das von Menschen erdachte Hamsterrad. Und ein weiteres Jahr auf der Bank oder Tribüne wollte Del'Haye nicht mehr. So zog es ihn 1985 zu Fortuna Düsseldorf, und endlich war das Millionen-Missverständnis Geschichte. Kalle Del'Haye sieht seine Bayern-Zeit heute übrigens gar nicht so negativ.In einem Interview mit der in Kassel erscheinenden HNA sagte er im Mai: "Es hört sich vielleicht etwas abgehoben an, aber 100 Bundesliga-Spiele für den FC Bayern zu machen ist doch viel mehr wert als 100 für einen Abstiegskandidaten. Es war keine verlorene Zeit." Es waren aber keine 100 Spiele, sondern nur 74 – allerdings fast 100 Partien, die er verpasst .

aus DIE WELT

 

 

Gedenken an Hennes Weisweiler

Gedenken an Hennes Weisweiler

Kein Trainer in der Vereinsgeschichte Borussias hat so viel Wirkung hinterlassen wie Hennes Weisweiler. Am 5. Juli 1983 – auf den heutigen Tag (05.07.2013) genau vor 30 Jahren – starb der Erfolgs-trainer.Hennes Weisweiler führte die Mannschaft 1965 in die Bundesliga. Jahr für Jahr steigerte sich das Team unter seiner Regie, wurde dreimal Deutscher Meister, gewann den DFB-Pokal und zum Abschluss 1975 mit dem UEFA-Pokal auch den ersten internationalen Titel. Weisweiler verordnete den Borussen ein Offensivspiel, das weit über die Landesgrenzen hinaus für Furore sorgte.

Noch heute schwärmen die Fußballkenner vom Spiel der Borussen in den frühen 1970er Jahren.Im Frühjahr 1964 war Borussia auf Trainersuche, nachdem Fritz Langner seinen Wechsel zum FC Schalke 04 bekannt gegeben hatte. Es gab ein Dutzend Kandidaten, doch der VfL entschied sich für Weisweiler, der am 5. April 1964 einen Vertrag am Bökelberg unterschrieb. Es war ein Arbeitspapier, das die große Zukunft Borussia besiegeln sollte.

Langer hatte mit dem Umbau begonnen, viele junge Spieler in das Team eingebaut. Doch hemmten seine militärischen Methoden ein wenig den Spielbetrieb – Weisweilers kölsche Natur war offenbar genau das, was die Borussen brauchten, um sich zu entfalten. Ein großer Fußball-Fachmann, ein Mann mit Visionen, der Arbeit einforderte, zugleich aber ein väterlicher Freund war – Weisweiler wurde zum Vater der „Fohlen“.Der Aufstieg, die drei Meisterschaften, ein UEFA-Cup- und ein DFB-Pokalsieg – das sind die messbaren Beweise, welch fruchtbare Beziehung es zwischen Weisweiler und Borussia war.

Doch seine Leistung ist viel mehr wert als Titel. Weisweiler machte Borussia zu einem Mythos. „Fußball muss Spaß machen, ein 5:4 ist besser als ein 1:0“, war sein Leitmotiv, das sinnbildlich für den Fußball der Fohlenelf der damaligen Zeit steht. Weisweiler, für den Technik und Schnelligkeit Grundlagen des Spiels waren, hatte einen Blick für Talente – und er konnte sie entwickeln.Weisweiler machte dem niederrheinischen Mauerblümchen eine Mannschaft von Welt. Unter ihm wurde Borussia 1970 erstmals Meister, 1971 und 1975 wiederholte sich dieser Erfolg. Erst war es die verstärkte Defensive, dann der Torhunger, dann der Konterstil, der Borussia zum Champion machte.

Weisweiler war sein eigener Stil, er wusste, seine Mannschaft zu wandeln, den Möglichkeiten anzupassen, immer wieder neu zu erfinden. Als er 1975, auf dem Höhepunkt seines Schaffens – dem grandiosen 5:1-Sieg im UEFA-Pokal-Final-Rückspiel in Enschede – seinen Abschied zum FC Barcelona verkündete, sagte der Trainer: „Ich verliere eine Mannschaft, an der ich hänge und die ich geformt habe.“Niemand trainierte Borussia bis heute länger als Hennes Weisweiler, der elf Jahre lang für die erfolgreichste VfL-Mannschaft aller Zeiten verantwortlich war. Am 5. Juli 1983 starb die Trainerlegende. Sein Name ist für immer Borussia verbunden. Ihm zu Ehren heißt die Straße, die zum BORUSSIA-PARK führt, Hennes-Weisweiler-Allee.

aus Borussia.de

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Hans „Hennes" Weisweiler (1919-1983), Fußballtrainer

Hans, genannt Hennes Weisweiler war ein aus Erftstadt-Lechenich stammender Fußballspieler und -trainer. Er war zwischen 1964 und 1975 Trainer der legendären Fohlenelf von Borussia Mönchengladbach und gewann mit vier verschiedenen Vereinen in drei Ländern insgesamt fünf nationale Meisterschaften, vier nationale Pokale sowie einen Europapokal.Hennes Weisweiler wurde am 5.12.1919 in Lechenich, heute ein Stadtteil von Erftstadt, geboren. Mit neun Jahren begann er mit dem Fußballsport und spielte für den SC Lechenich, bis er 1939 in die Wehrmacht eingezogen wurde.

Nach dem Krieg schloss er sich zunächst dem VfR Flamersheim (heute Stadt Euskirchen) und später verschiedenen Kölner Fußballclubs an, wo er zuerst als Mittelfeldspieler, dann als Spielertrainer fungierte.In der Funktion des Spielertrainers erkannte er seine eigentliche Begabung.

So nahm er am ersten Trainerlehrgang der Nachkriegszeit unter Bundestrainer Sepp Herberger (1897-1977) in Köln teil. Dort wurde Herberger auf ihn aufmerksam und förderte ihn als seinen gelehrigsten und talentiertesten Schüler. Zunächst wollte „der Alte" den jungen Weisweiler sogar zu seinem Nachfolger als Trainer der Deutschen Nationalmannschaft aufbauen; dieses Vorhaben scheiterte jedoch an der Heimatverbundenheit des jungen Lechenichers, der nur im Rheinland arbeiten wollte. Von Herberger übernahm Hennes Weisweiler dafür 1957, mit erst 38 Jahren, die Leitung der Trainerausbildung an der Deutschen Sporthochschule Köln, heute Hennes-Weisweiler-Akademie. Diese Aufgabe hatte er bis 1970, dem Jahr seines ersten großen nationalen Triumphes – dem Gewinn der Deutsche Meisterschaft als Trainer von Borussia Mönchengladbach – inne.

Schon in der Frühphase seiner Trainerlaufbahn hatte er Erfolge zu verzeichnen – wenn auch noch im Amateurbereich – und machte sich im Rheinland einen guten Namen als kommunikativer, innovativer Trainer, der für bis dahin noch nicht gekannten offensiven, technisch starken Konterfußball stand.

Nachdem er mit dem Rheydter SV Anfang der 1950er-Jahre – diesmal ausschließlich als Trainer – in die Oberliga West aufgestiegen war, kam 1958 ein Angebot des ambitionierten Clubs Viktoria Köln, wo er die hochgesteckten Erwartungen allerdings nicht erfüllen konnte, aber dennoch mit 81 Toren seiner Mannschaft in 30 Spielen seine Idee von Angriffsfußball aufblitzen lies.1964 wechselte er auf Vermittlung seinen Förderers Sepp Herberger schließlich zur Borussia nach Mönchengladbach, wo sein nationaler und internationaler Durchbruch zur Trainerlegende begann. Hier formte er aus der Elf vom Niederrhein jenes Fußballteam, das mit technisch starkem Konter- und Offensivfußball zu einem europäischen Fußballmythos wurde, zu einem Gegenentwurf zu den eher defensiv, rational und ergebnisorientiert auftretenden Bayern aus München.

Dabei bediente er sich nicht nur neuer Trainingsmethoden und innovativer Vorstellungen von Offensivfußball, er war vor allem auch ein großer Psychologe, ein junger Trainer neuer Schule, der mit den Spielern Taktik und Aufstellung gemeinsam beriet und diskutierte, sie zu verantwortlichen Persönlichkeiten formte und somit einen neuen, bisher unbekannten Umgangs- und Führungsstil im deutschen Fußball etablierte. Er war ein Gegenentwurf zum bis dahin so beliebten „Schleifer" mit militärischer Attitüde, ein junger Dozent, der es mit seiner Vorstellung von Fußball nicht nur in den Sportteil der Regionalzeitung, sondern in das Feuilleton der großen Blätter brachte. Er, beziehungsweise seine Elf inspirierte mit dem von ihm verordneten Fußball eine ganze Nation und begeisterte auch Künstler und Intellektuelle für diesen Sport.Bereits im ersten Trainerjahr am Bökelberg stieg die junge Mannschaft um die späteren 1974er Weltmeister Jupp Heynckes, Günther Netzer und Berti Vogts gemeinsam mit dem FC Bayern München in die Erste Fußballbundesliga auf.

Musste die sehr junge Mannschaft im ersten Jahr ihrer Ligazugehörigkeit noch gegen den Abstieg kämpfen, führte Weisweiler sie in den folgenden Jahren nach und nach an die Spitze der Liga. Mit sicherem Blick für das Talent junger Spieler formte er eine Mannschaft, die bereits im dritten Jahr ihrer Ligazugehörigkeit hinter Nürnberg und Bremen den dritten Platz belegte. Aufgrund der guten Nachwuchsförderung in Mönchengladbach, aber auch wegen des offensiven, attraktiven, zuweilen ungestümen „Jugendstils" des Teams sprach man schnell von der „Fohlen-Elf", ein Name, der auch heute noch auf die Bundesligamannschaft der Borussia angewandt wird auch 1969 belegte Hennes Weisweiler mit seiner Elf den dritten Platz in der Ersten Fußballbundesliga, 1970 aber gewann „seine" Borussia schließlich souverän mit vier Punkten Vorsprung vor dem Vorjahresmeister FC Bayern ihre erste deutsche Meisterschaft.

Die zweite folgte bereits ein Jahr später. Der VfL Borussia aus Mönchengladbach war somit der erste Verein in der Bundesligageschichte, der eine deutsche Meisterschaft verteidigen konnte. Auch wenn in den folgenden Jahren der FC Bayern es der Borussia nachtat und mehrmals die Meisterschaft gewann, war Gladbach einer der erfolgreichsten Vereine des europäischen Clubfußballs. Der von Weisweiler ausgebildete und an internationale Klasse herangeführte Gladbacher Block um Netzer, Vogts, Bonhof und Heynckes bildete zusammen mit den Bayernspielern das Rückgrat der wohl besten deutschen Nationalelf aller Zeiten, die 1972 gegen die UdSSR in Brüssel Europameister wurde und im gleichen Jahr erstmals in Wembley die englische Nationalmannschaft schlug.

Schließlich besiegte das Team 1974 – jedoch im Vergleich zu 1972 mit veränderter Besetzung – im WM-Finale von München mit zwei Weisweilerzöglingen vom Bökelberg das Nationalteam der Niederlande.1973 gewann Hennes Weisweiler auch den DFB-Pokal. Das Finale ging in die Fußballgeschichte ein und offenbarte zugleich, dass Weisweiler zwar ein überragender Trainer war, aber zuweilen Defizite im Umgang mit individualistischen Stars hatte: Weil Günther Netzer zuvor seinen Wechsel zu Real Madrid bekannt gegeben hatte, ließ ihn Weisweiler während des Finalspiels gegen den FC Köln, den man zuvor in der ersten Runde des UEFA-Pokals mit Netzer noch 5:1 geschlagen hatte, auf der Bank. Zu Ende der zweiten Halbzeit stand es 1:1, doch der zuweilen auch sture und unbeherrschte Trainer machte zunächst keine Anstalten, seinen Mittelfeldregisseur einzuwechseln.

So nahm Netzer in der 91. Minute das Zepter selbst in die Hand. Mit den an Weisweiler gerichteten Worten: „Ich spiel' dann jetzt!" wechselte er sich für Christian Kulik ein und schoss in der 94. Minute „aus der Tiefe des Raumes" kommend den 2:1 Siegtreffer.1975, im letzten Jahr seines Engagements am Niederrhein, erreichte Hennes Weisweiler mit der Borussia seinen internationalen Karrierehöhepunkt. Zuerst gewann er seine dritte deutsche Meisterschaft – diesmal gar mit sechs Punkten Vorsprung vor Hertha BSC Berlin. Im Mai 1975 siegte seine Mannschaft schließlich auch in den Finalspielen des UEFA-Pokals gegen Twente Enschede (0:0, 5:1), nachdem sie bereits 1973 ins Finale vorgestoßen, dort aber dem FC Liverpool knapp unterlegen war.

Nach seiner erfolgreichen Zeit am Bökelberg folgte Hennes Weisweiler dem Ruf nach Spanien. Dort wurde „Don Hennes" Trainer des katalanischen Vorzeigeclubs FC Barcelona, bei dem auch der niederländische Star Johan Cruyff kickte. Allerdings kam er weder mit der spanischen Mentalität noch mit Cruyff klar und wechselte nach dem Gewinn der Vize-Meisterschaft in der Primera Division wieder nach Deutschland. In Gladbach war inzwischen Udo Lattek als Trainer überaus erfolgreich und setzte die Titelsammlung seines Vorgängers fort. So übernahm er schließlich den Trainerposten beim FC Köln, mit dem er 1977 DFB-Pokalsieger wurde und 1978 das Double gewann.

Schon ein Jahr später zog es die inzwischen weltweit bekannte Trainerlegende Weisweiler wieder fort aus der Bundesliga. Diesmal wechselte er in die USA, zu Cosmos New York, wo er mit einigen europäischen Stars der Fußball populär machen sollte. Gemeinsam mit Franz Beckenbauer gewann er dort 1980 die US-Meisterschaft. Seine letzte Trainerstation war ab 1982 Grashoppers Zürich. Auch in der Schweiz hatte er großen Erfolg und gewann mit dem Traditionsclub 1983 das Double aus Meisterschaft und Pokal.Noch im gleichen Jahr verstarb der Erfolgstrainer an Herzversagen. Er hinterließ seinen 22 Monate alten, noch in New York geborenen Sohn John aus zweiter Ehe mit seiner jüngeren Frau Gisela. Die anschließende Trauermesse fand im Hohen Dom zu Köln statt und glich einem Staatsbegräbnis. Mehr als 20.000 Menschen begleiteten den Trainer auf seinem letzten Weg, darunter alle seine Schützlinge aus den großen Tagen des rheinischen Fußballs: Berti Vogts, Wolfgang Overath, Jupp Heynckes, Wolfgang Weber, Rainer Bonhof, Franz Beckenbauer, Johannes („Hennes") Löhr, Helmut Schön (1915-1996), Jupp Derwall (1927-2007), Udo Lattek und viele mehr.Hennes Weisweiler war neben Udo Lattek der wohl erfolgreichste deutsche Trainer der 1970er-Jahre und nach Meinung seines Gladbacher Mittelfeldstars Günter Netzer der „beste Trainer der Welt."

Nach ihm ist die Trainerakademie auf dem Gelände der Deutschen Sporthochschule Köln benannt. An der Hennes-Weisweiler-Allee im Mönchengladbacher Nordpark sind die weitläufigen Anlagen der Borussia sowie das 2004 fertig gestellte „Stadion im Borussia-Park" beheimatet. Von den Fans der Fohlenelf wurde Hennes Weisweiler zum Trainer des Jahrhunderts gewählt.

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